Am höchsten Punkt, auf dem Dach Namibias

Veröffentlicht am 20. Dezember 2025 um 09:41

Königstein (2573 m), Brandbergmassiv, Erongo Region

 


Königstein: Aufstieg zum Dach Namibias

Der Königstein im Brandberg-Massiv ist nicht nur der höchste Punkt Namibias, sondern auch einer der abgelegensten und eindrucksvollsten Berge im südlichen Afrika. Wer hier unterwegs ist, bewegt sich durch eine Landschaft aus glühendem Granit, uralten Felsmalereien und absoluter Stille – ein Ort, der Abenteuer und Naturgeschichte auf besondere Weise verbindet.

Ein Massiv, das aus der Wüste wächst

Mit 2573 Metern ragt der Königstein wie eine steinerne Insel aus den weiten Ebenen der Namib. Die rötliche Färbung des Brandbergs bei Sonnenuntergang hat dem Massiv seinen Namen gegeben – und im Sommer erklärt die Hitze schnell den „Brenn“-Charakter. Die Region ist unbewohnt, einsam und rau, gleichzeitig aber voller Details, die sich erst beim genauen Hinsehen offenbaren.

Jährlich finden nur wenige Gruppen den Weg hierher. Orientierung, Hitze und Distanz machen die Tour anspruchsvoll – dafür gibt sie ein Gefühl echter Wildnis zurück.

Permit, Guide & Startpunkt

Ein offizielles Permit sowie ein Guide sind Pflicht. Beides wird über den National Heritage Council in Windhoek organisiert oder über das Brandberg Rest Camp in Uis vermittelt. Uis bietet sich gleichzeitig als Basislager an: kleine Lodges, Campgrounds, Supermarkt, Werkstatt, Tankstelle – alles vorhanden.

Der Aufstieg beginnt am Eingang der Gaaseb Gorge, erreichbar über sandige Pisten. Schon am Trailhead wird klar: Dieser Berg verlangt Respekt. In der Vergangenheit sind Wandernde ohne Führung verschwunden – die Route ist weit weniger eindeutig als es auf Karten wirkt.

Der Weg nach oben – zwischen Fels, Hitze und Felskunst

Die Route wechselt kontinuierlich das Gesicht: steinige Bachläufe, große Blockfelder,
weite Granitplatten, verwitterte Höhenrücken und überraschend grüne Hochmulden. Markierungen sind selten, Steinmännchen nur sporadisch zu finden. Ein Guide erleichtert die Navigation erheblich.

Das Brandberg-Massiv ist berühmt für seine Felsmalereien. Über 900 Fundstellen sind dokumentiert. Viele zeigen Tiere wie Giraffen, Zebras oder Kudus, ebenso menschliche Figuren und Jagdszenen. Sie erzählen von einer Zeit, in der diese Region deutlich feuchter war und eine reiche Tierwelt beherbergte. Auf dem Weg zum Königstein liegen mehrere gut erhaltene Fundstellen – perfekte Orte für eine schattige Pause und einen Blick in Jahrtausende alte Kultur.

Campen auf 2000 Metern

Bei etwa 2000 m Höhe befindet sich ein natürlicher Lagerplatz, der sich ideal für eine Übernachtung eignet. Die Wasserstellen in der Umgebung sind jedoch saisonabhängig. In den Sommermonaten sind sie meist völlig ausgetrocknet oder enthalten nur geringe Mengen brackiges Restwasser.

Daher gilt: Wasser selbst mitbringen – 4 bis 5 Liter pro Person und Tag. Das macht die Tour körperlich anspruchsvoll, besonders mit zusätzlichem Zelt- und Verpflegungsgepäck.

Der Gipfel – Weite ohne Grenzen

Der finale Anstieg führt über offene Granitflächen, durch lockere Blockfelder und schließlich in ein kleines, fast alpin anmutendes Grasplateau. Dahinter entsteht der beeindruckende Blick auf die Gipfelregion.

Oben wartet ein Panorama, das kaum irgendwo sonst zu finden ist: dunkle, zerklüftete Granitkuppen unter einem riesigen Himmel, dahinter die flimmernden Ebenen der Wüste. Das Gipfelbuch zeigt meist nur wenige Einträge – ein Hinweis darauf, wie selten dieser Ort besucht wird.

Abstieg & Sensibilität für die Natur

Der Abstieg folgt derselben Route und verlangt ebenso Konzentration wie der Aufstieg. Gelegentlich sind leichte Kletterbewegungen notwendig.

Leider zeigt sich auch hier das Problem des Mülls: Obwohl das Massiv fast unberührt wirkt, finden sich an manchen Biwakplätzen hinterlassene Plastikflaschen. Das Gebiet ist extrem sensibel – jeder Beitrag zu einem „Leave No Trace“-Verhalten schützt diese einzigartige Landschaft.

Praktische Infos auf einen Blick

Permit & Guide: Pflicht. Organisation über National Heritage Council oder Brandberg Rest Camp.

Dauer: – sehr fit: 1–2 Tage – üblich: 3–5 Tage

Wasser: 4–5 l/Person/Tag

Ausrüstung: feste Stiefel, Trekkingstöcke, Sonnenschutz, Snacks, Navigation und ausreichend Wasser.

Nächster Ort: Uis (Unterkünfte, Camps, Supermarkt, Tankstelle).

White Lady Painting: 2-Stunden-Rundtour, gut zugänglich und sehr empfehlenswert.

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