Üç Söğüt Yaylası und Şaltar Şelalesi, Hisarçandır, Konyaalti, Antalya
Die Wanderung zum Şaltar Şelalesi, auch Çimmelik Şelalesi genannt, zählt zu den anspruchsvolleren Unternehmungen im Hinterland von Antalya. Hoch oberhalb des Üç Söğüt Yaylası, eingebettet in die schroffen Ausläufer des westlichen Taurusgebirges, erwartet Bergsportler eine Tour, die deutlich mehr ist als eine klassische Wanderung. Sie verlangt ernsthafte Anstrengung, Trittsicherheit, Aufmerksamkeit und einen sicheren Umgang mit technischer Ausrüstung.
Früher Start ins kühle Bergland
Am Morgen geht es von Antalya hinauf zur Üç Söğüt Yaylası. Die Straße ist gut befahrbar, das Wetter kühl und bewölkt – ideale Bedingungen für eine körperlich fordernde Aktivität. Geparkt wird rund 300 Meter oberhalb einer betonierten Viehtränke. Bereits beim Aussteigen wird deutlich, dass der nächtliche Regen seine Spuren hinterlassen hat: Der Boden ist feucht, stellenweise schmierig und rutschig.
Der Zustieg führt zunächst zum oberen Bereich des Wasserfallsystems mit seinen natürlichen Felsbecken. Ohne längeren Aufenthalt geht es weiter über eine Rampe auf der linken Seite. Nach dem Überqueren eines Geländerückens öffnet sich ein weiteres Tal – wilder, steiler und deutlich alpiner im Charakter.
Instabiles Gelände nach starken Regenfällen
Hier zeigt sich die eigentliche Herausforderung der Tour. Durch starke Niederschläge wurden unter größeren Felsen und Gesteinsplatten Erdschichten ausgespült. Das Gelände wirkt stabil, kann aber überraschend nachgeben. Jeder Schritt muss bewusst gesetzt werden. Lose Steine, unterspülte Kanten und nasser Fels verlangen höchste Aufmerksamkeit.
An einer vorgesehenen Stelle zur Seilsicherung wird zunächst überlegt, das 30-Meter-Seil einzusetzen. Stattdessen fällt die Entscheidung für eine anspruchsvolle horizontale Querung. Diese Passage erfordert absolute Konzentration. Große Rucksäcke sind hier hinderlich; kompakte Ausrüstung ist klar von Vorteil. Ruhige Bewegungen, enger Felskontakt und gute Kommunikation im Team sind entscheidend.
Gesicherter Abstieg ins Hauptbecken
Die letzten zehn Meter vor dem Abstieg sind steil und ausgesetzt. Um die Passage zu entschärfen, wird an einem robusten Andız-Baum eine kurze Seilstation eingerichtet. Mit Hilfe der Sicherung gelingt der kontrollierte Abstieg auf das darunterliegende Niveau.
Nach einer kurzen Querung öffnet sich schließlich der Blick auf das Hauptbecken und den zentralen Wasserfall – ein beeindruckender Moment. Das Wasser stürzt mit großer Kraft in den natürlichen Pool. Die hohe Wasserführung im Februar zeigt den Wasserfall von seiner spektakulärsten Seite. Bei einer Begehung im April des Vorjahres war hier kaum Wasser vorhanden – ein deutlicher Kontrast.
Das Rauschen des Wassers, die feuchte, klare Luft und die dramatische Kulisse aus Fels und Vegetation machen diesen Ort zu einem intensiven Naturerlebnis.
Charakter der Tour
Die Route kombiniert Zustieg, wegloses Gelände, ausgesetzte Querungen und kurze technische Passagen. Sie bewegt sich zwischen anspruchsvoller Bergwanderung und leichter alpiner Unternehmung. Besonders nach Regenfällen steigt der Schwierigkeitsgrad deutlich an.
Empfohlene Ausrüstung
Für diese Tour ist eine solide technische Grundausstattung erforderlich:
Zustiegsschuhe mit gutem Grip
Helm
Wanderstöcke
Technische Jacke
Mindestens 2 Liter Wasser
Klettergurt
Karabiner
Hilfsseil
30 m dynamisches Seil (9 mm)
Erste-Hilfe-Set
Stirnlampe
Je nach Wasserstand und Witterung kann zusätzliche Sicherung sinnvoll sein.
Tour im Überblick
Distanz: ca. 5,5 km
Aufstieg: ca. 650 Höhenmeter
Abstieg: ca. 195 Höhenmeter
Dauer: rund 6 Stunden
Schwierigkeit: hoch
Charakter: technisch, ausgesetzt, alpin geprägt
Beste Zeit: Winter und Frühjahr bei kalkulierbarer Wasserführung
Fazit
Die Wanderung zum Şaltar Şelalesi ist kein Spaziergang, sondern eine ernsthafte Bergaktivität. Sie fordert Kondition, Trittsicherheit und technisches Verständnis – belohnt jedoch mit einem intensiven Naturerlebnis und eindrucksvollen Wasserlandschaften fernab touristischer Routen.
Wer gut vorbereitet ist und das Gelände respektiert, erlebt hier eine kraftvolle, ursprüngliche Seite des Taurusgebirges – wild, anspruchsvoll und beeindruckend schön.
Fotos (c) by Levent Öktem, Fahri Altun, Erdogan Ister
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